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Der Tote am Dachenfesl© 2009 Paul Dragston
Leseprobe:Man hatte sich Mühe mit dem Leichnam gemacht, ihm das Blut aus den Haaren gewaschen und ein kostbares Totenhemd verpasst. Beinahe wirkte Claus wie ein Schlafender. Ein Schlaf, aus dem er erst am Jüngsten Tag erwachen wird, dachte Gottfried von Unkel, als er am Sarg des Ermordeten stand und betete. Hinter ihm, von den Bänken her, erklang leise das Wehklagen der Angehörigen. Mit einem flüchtigen Blick über die Schulter erfasste Gottfried Heinrich, den Vetter des Toten. Die Lippen zusammengepresst stand dieser da, die Augen auf einen Punkt an der Wand gerichtet. Gottfried wandte sich um. „Man hat ihn also auf halber Höhe des Berges gefunden“, zitierte er den Boten, der am Morgen auf dem Michaelsberg erschienen war. Hermann von Hessen, der Erzbischof von Coellen, hatte diesen zu ihm ins Kloster gesandt. Seit Jahrzehnten herrschte auf dem Drachenfels ein Familienkonflikt, nun war Claus nach Jahren, in denen er dem Bischof von Trier gedient hatte, zurückgekehrt, und plötzlich war er tot? Gottfried musterte die Menschen, die er her beordert hatte. Eigentlich wäre er nach der Laudes nach Nonnenwerth gereist, um im Auftrag Johanns, des Abtes, dort nach dem Rechten zu sehen. Stattdessen stand er nun hier, dem Befehl Hermanns gehorchend. „Niemand von euch weiß, wie Claus ums Leben gekommen ist?“ Kopfschütteln. Ein paar wenige senkten ihre Häupter. Für einen kurzen Moment glaubte Gottfried, Heinrich sähe ihn an. Dann fixierte er wieder den Punkt an der Wand. Mucksmäuschenstill wurde es in der Kapelle, als Heinrich das Wort ergriff. Gottfried lächelte und nickte ihnen zu. „Vielleicht. – Aber wäret Ihr, Heinrich, dazu bereit gewesen?“ „Verzeiht, Vater“, riss Heinrichs Stimme ihn aus seinen Gedanken, „meine Leute haben zu arbeiten. Braucht Ihr uns noch länger?“ |
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