Spannung,
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und mehr

Die dreizehnte Etage (Leseprobe)

© Jon Padriks 2009
»Feierabend.« Harry Bings sah auf die Uhr und erhob sich. Die Papiere, die noch auf seinem Schreibtisch lagen, konnten bis zum nächsten Tag warten. Ohnehin war er wieder einmal der Letzte, der das Büro im 16. Stock des Geschäftshauses verließ. Sicher war Katie längst zu Bett gegangen und hatte ihm das Abendessen neben die Mikrowelle gestellt. Bitte wärme es dir auf, sei leise, die Kinder schlafen. Seit Wochen fand er allabendlich diesen Brief auf der Anrichte. Katie, Paul und Erica sah er nur noch morgens, bevor die Kinder von ihrer Mutter zur Schule gebracht wurden und er das Haus verließ.

Er nahm sein Jackett vom Haken, ging zur Tür und löschte das Licht. Das Zimmer seiner Sekretärin lag schemenhaft vor ihm. Susan war schon vor Stunden gegangen.

Harry öffnete die Glastür und trat auf den dunklen Gang hinaus. Die Notbeleuchtung in diesem Teil der Etage war seit Wochen defekt. Er hatte schon vor Langem die Hoffnung begraben, andere würden ihre Pflichten so gewissenhaft wie er verrichten. »He Mann, ich mach' schon meinen Job, keine Panik. Geht Sie doch nix an, wann ich was tue. Kümmern Sie sich um Ihren Kram.« Eine Grimasse schneidend, die Haare wie immer ungekämmt und den unvermeidlichen Kaugummi im Mund, hatte Billy Kates ihm einst erwidert. »Arschloch!«, dachte er nun und steuerte auf das schwache Licht am Ende des Ganges zu. Wenigstens dort, beim Aufzug, funktionierte die Lampe.

Plötzlich war da ein Geräusch. Kurz. Intensiv. Mitten auf dem Gang blieb Harry stehen. Er war allein in diesem Gebäude bis auf die zwei Wachleute unten im Erdgeschoss. Nie war er auf seinem Weg nach unten jemandem begegnet um diese Zeit. Mit angehaltenem Atem lauschte er in die Nacht.

Nichts. Stille.

Hatte er sich diesen Laut gerade nur eingebildet? War es ein Wachmann gewesen, der seine Runde machte?
Nein, kein weiterer Ton folgte. Nicht der Schein einer Taschenlampe. Er schüttelte den Kopf. Ihm wurde übel bei der Vorstellung bereits in sieben Stunden wieder in diesem Haus zu sein, an seinem Schreibtisch. Über der Arbeit hocken und übermäßig Kaffee in sich hinein zu schütten. Jeder Arzt würde ihm zu einem ausgedehnten Urlaub raten ...

Harry erstarrte, als er um die Ecke bog [...]

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»Nachts – Eine unheimliche Anthologie«

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