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Spannung,
Romantik
und mehr
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Es© Jon Padriks 2005
1.TeilGehe zu:
Als Dave Lundsdale sich wieder hinter das Lenkrad seines alten Fords klemmte, ahnte er nicht, dass er nicht mehr allein war. Er atmete tief durch und genoss die reine, noch kühle Luft des anbrechenden Tages. Gerade hatte er die letzte Ausgabe des ›Rapid City Journal‹ in den Briefkasten der Johnsons gesteckt, und nun konnte der Tag kommen. Eve hatte ihm gesagt, dass sie heute mit ihm zum Schwimmen gehen wolle. Wenn er sich beeilte, konnte er ihr sogar noch das Frühstück ans Bett bringen und sie verwöhnen. Immerhin war heute ihr erster Urlaubstag, und er wusste, was er ihr zu verdanken hatte.
Obwohl er sich sicher war, allen Abonnenten der Tageszeitung ihr Exemplar gebracht zu haben, warf er vorsichtshalber noch einmal einen Blick auf den Zettel, auf dem die Namen, Straßen und Hausnummern eingetragen waren, die er heute zu besuchen hatte. – Nein, die Johnsons waren wirklich die Letzten auf der Liste. Ihr Haus stand am Dorfrand der Gemeinde, in der er heute zum ersten Mal in seinem Leben durch Straßen gefahren war, von deren Existenz er bislang noch nicht einmal gewusst hatte. Nun konnte er beruhigt die fünfzehn Meilen nach Rapid City zurückfahren. Während er sich eine Zigarette anzündete, betrachtete er die Wiesen links der Straße. Am Tag spielten dort sicherlich die Kinder des Dorfes, doch jetzt, so früh am Morgen, lagen sie ruhig da. Dave genoss die Stille der Natur, die so anders war als das hektische Treiben der Stadt, in der er mit Eve lebte. Während er selbst (bis auf diesen neuen Job als Zeitungsbote) arbeitslos war, arbeitete Eve in einer Wäscherei und brachte so das Geld zum gemeinsamen Leben auf. Darum auch wollte er sie heute besonders verwöhnen; ihr zeigen, dass er ihr dankbar war und sie liebte. Dave schlug die Tür des Wagens zu und schob den Gang ein. Er hatte den Motor nicht ausgemacht, und so ließ er den Wagen langsam bis zum Ende der Straße rollen, die auf die Landstraße mündete, über die er zurückfahren würde. Er schob ein Band in den Kassettenrekorder und drehte den Ton auf. Plötzlich überkam ihn das Gefühl, dass etwas auf seinem Rücken unter sein T-Shirt drang. Ein Schauer überlief ihn, und er rückte in seinem Sitz hin und her, um sich an der Lehne zu reiben. Im nächsten Moment spürte er einen furchtbaren Schmerz in seinem Nacken, als würde sich dort etwas durch das Fleisch brennen. Eine Schlange!, schoss es ihm noch durch den Kopf. Dann hörte er auf zu denken. Ruckartig wurde er nach vorn geschleudert, zurück in den Sitz gepresst. Daves Körper kippte zur Beifahrerseite, doch bevor er auf dem Sitz landete, schleuderte er nach links, gegen die Fahrertür. Und wieder flog er nach vorn, mit dem Bauch gegen das Lenkrad, das er noch immer umklammert hielt. Er stieß sich die Stirn an der Windschutzscheibe und wurde wieder zurück in den Sitz gepresst. Für den Bruchteil einer Sekunde klappte er in sich zusammen. Dann saß er so aufrecht auf seinem Platz, wie er noch nie zuvor gesessen hatte. Eindringlich suchten seine Augen die Straße ab. Gegen 9:00 Uhr an diesem Vormittag erwachte Eve. Beim ersten Blick auf den Wecker erschrak sie, sank dann jedoch mit einem seligen Lächeln in die Kissen zurück. Sie hatte ja Urlaub! Egal, wie gut und lange sie geschlafen hatte, sie konnte es sich in den nächsten zwei Wochen an jedem Tag leisten. Ihr zweiter Blick galt dem Platz an ihrer Seite, wie es nun schon seit drei Jahren der Fall war. Doch heute war die Stelle leer, zum ersten Mal wieder seit dreizehn Monaten. Dave hatte ja wieder einen Job – wenn auch nichts Großartiges, so aber doch immerhin überhaupt etwas. Es war auch Zeit geworden, dass er endlich wieder etwas Sinnvolles zu tun bekam, anstatt den ganzen Tag nur zwischen dem Fernseher und dem Computer hin und her zu pendeln, hier ein paar Stunden zu verschenken, dort mühsam damit beschäftigt, an einem Roman zu schreiben, der wohl ohnehin nie fertig werden würde. Gut, sie, Eve, glaubte an ihn, wie sie es immer getan hatte. Er hatte das Zeug dazu, zu schreiben. Immerhin hatte er auch bereits die ersten elf Kapitel fertig, und sie hatte jedes Wort davon regelrecht verschlungen. Wahrscheinlich war es wirklich nichts Umwerfendes, was er da schrieb, aber spannend fand sie es. »Genre übergreifend«, so hatte Dave ihr einst gesagt, würde er schreiben, und so war es auch. Ein bisschen Fantasy hier, eine Lovestory dort, dazu ein guter Schuss Psychodrama und alles gewürzt mit einer Prise Horror – sie liebte sein Werk. Warum nur hatte er selbst aufgehört, an sich zu glauben? Wieso schrieb er nicht einfach das zwölfte Kapitel, anstatt jetzt schon jeden einzelnen Satz abzuwägen, umzustellen, zu korrigieren? Dave war mutlos geworden in den langen Monaten seiner Arbeitslosigkeit; er hatte den Glauben an sich selbst verloren. Das war die einzig logische Erklärung. Er traute sich selbst nicht mehr. Vielleicht hatte er jetzt – so banal er auch war, der neue Job als Zeitungsbote – die Chance, daran wieder etwas zu ändern? Vielleicht würde er endlich wieder mehr Selbstachtung und -vertrauen finden, wenn er sah, dass er auch etwas Geld zu ihrem gemeinsam Lebensunterhalt beitragen konnte. Eve schlug das dünne Laken, das ihnen als Bettdecke in den heißen Tagen des Sommers diente, zurück und erhob sich. Auf dem Gang ins Bad warf sie einen Blick in das kleine Zimmer, in dem Dave seinen Computer aufgebaut hatte. Es war leer. Sie lauschte. Nein, auch aus dem Wohnzimmer kam kein Laut, was so viel bedeuten mochte, dass Dave auch nicht vor dem Fernseher saß oder aber dabei den Kopfhörer trug, um sie nicht zu wecken. Oder er hatte es sich auf der Couch gemütlich gemacht und war wieder eingeschlafen. Mit ihren nackten Füßen ging sie lautlos über den Teppich, der in der ganzen Wohnung ausgelegt war, zum Wohnzimmer. Bereits vor der geöffneten Tür erblickte sie ihn. Dave saß aufrecht in einem Sessel am Fenster, die Arme auf die Lehnen gelegt und stierte auf den schwarzen Bildschirm des Fernsehers. Hastig ging sie jetzt zu ihm. Dann erst bemerkte sie, dass er blutete. Ein kleines Rinnsal lief aus einer Wunde an der Stirn, sickerte an seinem linken Augenwinkel vorbei, folgte dem Lauf der geradlinigen Nase und tropfte von der Oberlippe auf sein T-Shirt. Die smaragdgrünen Augen des Mannes folgten ihrer Bewegung. Als er dabei den Kopf drehte, sah Eve, dass er außerdem eine große Beule an der linken Schläfe hatte. Sie spürte wie ihre Knie weich wurden. »Was ist passiert? Hattest du einen Unfall?!« Dave konnte sich nur noch flüchtig daran erinnern, wie er die Zeitungen ausgefahren hatte. Da war er zum Schluss zu den Johnsons gefahren. War es ausgestiegen? – Wahrscheinlich. Doch dann hatte er plötzlich im Gras gesessen und die Straße beobachtet. Dieses Auto ... er war herangekrochen ... Füße waren plötzlich zu sehen gewesen, die sich abwandten, zum hinteren Ende des Wagens gingen, verschwanden ... wieder zu sehen waren, jenseits des Autos, sich einem Haus näherten ... Noch einmal schüttelte Dave den Kopf. Dann sah er Eve wieder an. »Es ist alles in Ordnung«, sagte er, und seine Stimme klang – so hart, wie Eve empfand. | |
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