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Spannung,
Romantik
und mehr
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Untitled© Jon Padriks 2004
Wo bin ich?
Ich kann meine Augen nicht öffnen. Die Lider sind schwer wie Blei. Oh Gott, warum ist keiner da? Was ist denn nur geschehen? Da war doch dieses Licht, dieses helle Licht. Überall Licht und ich mitten drin. Tumult. Schreie. Aber ich bekomme kein Wort heraus. Meine Eltern fallen mir wieder ein. Vater und Mutter, die längst gestorben sind. Ganz klar sehe ich sie vor mir. Dies ist nicht die Gegenwart. Das war einmal. Ich habe an meine Eltern gedacht. An Vater und Mutter. Doch was ist jetzt? Stefanie ... Dann der Knall, all das Licht ... Und jetzt ...? Ich bin allein. Wo ist Stefanie? Ich bin doch in einem Krankenhaus! Ich muss in einem Krankenhaus sein ...! Ich muss die Augen aufmachen! Ich muss ihnen zeigen, dass ich da bin! Sie halten mich bestimmt für bewusstlos. Und warum höre ich nichts? Gehörsturz! Ja, klar, ich habe einen Gehörsturz! Vielleicht kann ich auch darum meine Augen nicht öffnen? Bin ich bei der Explosion erblindet? Werde ich nie mehr Stefanies wunderschönes Gesicht sehen? Werde ich nie wieder schreiben können? Ich weiß, dass Blinde lesen können. Warum sollten sie nicht auch schreiben können?! Ich muss mich einfach nur daran gewöhnen, dass ich nicht mehr sehen kann. Nie wieder sehen ... Ich halte die Tränen nicht zurück. Oh Gott, verdammt! Mein ganzer Körper scheint zerrissen, so weh tut es. Und jetzt soll ich auch noch blind sein?! Ich habe immer gehofft, wenn ich eines Tages ein Krüppel würde, dass es dann meine Beine betrifft. Ein unbeschreiblicher Schmerz ist es, meine Arme zu bewegen. Oh Gott, bitte hilf! Ja, ja ... ja! Und jetzt die Arme! Oh, dieser verfluchte Schmerz in den Schultern! Aber ... Ja, ja, auch das gelingt! Oh Gott, ich danke dir. Ich probier’s gleich mit den Beinen. Warum nur die Beine und nicht meine Augen? Oh Gott, warum bin ich nicht einfach tot? Ich habe mir nie ein Leben ohne meine Arme und Hände vorstellen können. Ich bin immer gern gegangen. Durch die Natur. Es ist ja nicht nur, dass ich nie wieder in Stefanies Gesicht blicken kann. In ihre tiefbraunen Augen ... Okay ... Halt, was ist das ...? Sie tragen mich ... Oder ... Warum nur kann ich mich noch immer nicht bewegen? Ich will es nicht miterleben, wenn sie an meinen Augen herummachen, während ich bei Bewusstsein bin. Ich sollte mich noch einmal bewegen. Vielleicht merken sie dann, dass ich wach bin! Ich sollte ihnen zuwinken. Hallo! Ach, vielleicht mache ich mir ja auch nur etwas vor. Wenn ich doch nur hören könnte! Ich bewege doch meine Hand. Warum seht ihr sie denn nicht? Ja, wenn ihr wollt, bewege ich auch meine Beine. So, ich bewege meine Beine. Und meine Hände. Bewege ich mich nicht genug? Bewege ich diese Beine nicht genug? Nein, nein, ich bewege mich nicht genug. Und jetzt? Ein Bewusstloser mit zwei Sanis in einem Aufzug. So, Endstation. Oder ... Ja, ja, lasst es doch der OP sein! Stillstand? Ihr müsst mich aus dem Aufzug fahren, Freunde! Warum bewegt sich denn nichts mehr? Hallo! Was ist los? Vielleicht sollte ich ...? Ja, verdammt noch mal, mach die Augen auf! Aber es ist noch schlimmer als vorher. Viel schlimmer! Warum tut es so weh, die Augen zu öffnen? Aber ...! Ich sehe! Also bin ich doch blind. Wieder spüre ich, wie Tränen in meine Augen treten. Ich hatte eigentlich nicht gedacht, dass es so ist. Einfach nur noch völlige Dunkelheit. Und warum schiebt ihr mich nicht endlich aus diesem Aufzug raus? Oh Gott, ich bin so müde ... Ich würde gerne schlafen. Ist eigentlich ein Arzt da? Ich muss meine Arme bewegen. Mehr als vorhin. Vielleicht sitzt sie ja neben meinem Bett ... Aber warum hält sie nicht meine Hand? Stefanie, bist du da? Lassen sie dich überhaupt zu mir? Lebst du überhaupt noch ...? Du kannst doch nicht tot sein! Wenn du tot bist, dann hat mein Leben auch keinen Sinn mehr! Ich hätte es ertragen, blind zu sein. Ein Krüppel zu sein. Doch so ... Bewege dich! Ich muss mich bewegen! Doch diese Schmerzen ... Ich beiße die Zähne zusammen, ja! He ... Habt ihr mich festgeschnallt? Liege ich auf einer Trage? Wo bringt ihr mich hin? Wie viel Zeit ist vergangen, seit der Explosion? Sind wir etwa erst auf dem Weg ins Krankenhaus? Aber die Gurte müssten sich doch anders anfühlen! Und warum kann ich meine Hände dann nach oben heben? Noch etwas ... He??? Was ... Warum fühlt sich das so komisch an? In was für ein komisches Gerät habt ihr mich geschoben?! Holt mich hier raus! Ist das ein CT? Sicher ist es ein CT. Das erklärt auch die Kälte. Aber diese Ecken ... Und womit habt ihr mich zugedeckt? Und was für ein Stoff ist das? Und seit wann sind die Patienten während der Computertomografie zugedeckt?! Wollt ihr mich verarschen?! Oh, wenn ich hier nur erst wieder draußen wäre ...! Aber ich muss Geduld haben. Vielleicht steht Stefanie ja draußen und wartet auf mich. Lange kann es ja nun nicht mehr dauern. Ach, Stefanie ... Dann wird alles wieder gut. Irgendwie ... Doch ich kann nicht schlafen. Wer weiß, wie lange ich bewusstlos war! Da kann man ja nicht so müde sein ... Macht doch endlich mit eurer Untersuchung hier Schluss! Gut, zähle ich. Vielleicht hilft das ... Eins ... zwei ... drei ... Möglichst ruhig bleiben soll man in so einem CT. Vier ... fünf ... He, ihr müsst mir doch meine Medikamente geben! Nein, ein Star bin ich nicht ... Stefanie war mein Star. Stefanie ist mein Star. Ich will zu ihr! Oh, diese Schmerzen ... Hättet ihr bloß nicht diesen verdammten Tubus gelegt! Dann könnte ich wenigstens meine Stimme benutzen. Aber so ... Mit diesem dicken Knoten unterm Kinn, der meinen Unterkiefer festhält, bekomme ich kein Wort heraus. Würde wahrscheinlich auch noch diese Luftröhre, die ihr mir gelegt habt, diesen Tubus, beschädigen. Aber habt ihr schon mal darüber nachgedacht, dass man in eurem blöden CT Platzangst kriegen kann? Sieben ... acht ... Nein, vier, fünf, sechs ... Soll ich etwa für immer hier drin bleiben?! Sieben ... acht ... neun ... Ihr wollt mich wohl wirklich für immer hier lassen?! Ich will aber nicht für immer hier bleiben! Jetzt! Was untersucht ihr eigentlich an mir? Ich ... Oh, tut das weh, gegen diese Wände zu klopfen ... Wie vorhin, als ich euch gewunken habe. Und ihr habt es nicht gesehen. Und doch will ich noch einmal klopfen ... Warum fühlt sich das so an, als würde ich gegen Holz klopfen? Aber wieso? Wieso ist das Holz? Und es ist Holz. Ich will nicht darüber nachdenken. Aber dies ist kein CT! Alles aus Holz ... Die Wände ... Darum auch die kleine Decke ... Aber was ist mit der Kinnbinde ...? Habt ihr etwa geglaubt, dass ich tot bin ...?! Oh Gott, ihr habt tatsächlich geglaubt, dass ich tot bin und habt mich ... Ihr habt mich beerdigt. IHR HABT MICH BEERDIGT! ABER ICH LEBE! ENDE | |
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