... und es gibt sie doch!
© 2011
Da! Als das Klopfen begann, zuckte Benny zusammen. Seit er zu Bett gegangen war, hatte er darauf gewartet. Er hatte gewusst, er würde es auch in dieser Nacht zu hören bekommen, doch nun setzte es so plötzlich ein, dass die Furcht ihm die Kehle zuschnürte. Bald war der Riss in der Wand sicher breit genug, damit das Monster herauskommen konnte.

Warum nur hatte ihm niemand geglaubt, als er heute von dem Pochen erzählt hatte, das schon letzte Nacht erklungen war? Die Eltern hatten ihm einzureden versucht, er habe schlecht geschlafen, und Isabelle hatte über ihren drei Jahre jüngeren Bruder nur gelacht. Niemand hatte etwas gehört.
Aber diesen Lärm musste man doch hören!

Bennys Hände wurden feucht, die Angst kroch über seinen Körper, gleich einer Schlange. Gebannt lag der Neunjährige da, starrte auf die Wand gegenüber seines Bettes. Vielleicht hörte es niemand, außer ihm, weil es die Außenwand war? Dahinter erstreckte sich weites Land, bis zum Horizont. Säße das Monster nicht in der Wand, man könnte meinen es käme von irgendwo dort draußen; das Fenster war nur zwei Fuß von der Stelle entfernt, wo es sich seinen Weg zu ihm grub.

»Das Einzige, was klopft, ist die Meise unter deinem Pony, Doofie«, erinnerte er sich Isabelles Hohn. Vergnügt hatte sie sich auf die Schenkel geklopft, war danebengestanden, als Vater die Mauer auf sein Drängen hin untersucht hatte. »Da ist kein Riss, mein Sohn, nicht mal ein Mauseloch«, war er zur Erkenntnis gekommen, hatte ihm durch die blonden Locken gewuselt. Vater und Isabelle hielten ihn noch immer für ein kleines Kind!

Benny biss sich auf die Unterlippe. Rang mit sich, zu schreien oder aufzuspringen und davonzulaufen. Aber er wollte nicht wieder Isabelles Spott ertragen.

Krrrrk!

Das Geräusch eines Steins, der in der Mauer verschoben wurde, erklang.
Benny hielt den Atem an. Gleich darauf ertönten weitere eindeutige Töne. Es war soweit. [...]

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