Selig, die nicht sehen ...
© 2010
»Wie kann das sein?« Schon seit Wochen bereitete es mir Kopfzerbrechen und Übelkeit. Wie sollte es möglich sein, Christi Fleisch zu essen? Ich mochte mich nicht damit abfinden, es sei normal. Allerdings schien ich der Einzige aus der Gruppe der Erstkommunionskinder zu sein, dem das so ging. Meine Kameraden hatten den Unterrichtsraum bereits verlassen.

»Oh, Andreas«, er lächelte milde und strich mit der Hand über meinen Kopf, »deine Eltern hätten dich besser Thomas genannt.«
»Thomas?« Verwirrt sah ich zu ihm auf.
»Na, der Apostel Thomas war genauso ein Dickkopf wie du.« Er schmunzelte. »Der Apostel musste erst die Finger in die Wundmale Jesu legen, bevor er glaubte, dass Er wahrhaftig von den Toten auferstanden ist. Ganz sicher aber erinnerst du dich der Worte Jesu. Oder? ›Selig, die nicht sehen und doch glauben.‹« Seine blauen Augen blitzten.
Ich biss mir auf die Zunge. Natürlich, das kannte ich. Warum nur konnte ich es nicht einfach akzeptieren? Es war, wie es war. Punkt.

Noch einmal wuselte er mir durchs Haar. »Na also. Die anderen warten bestimmt auf dich. Nun lauf schon!«
Zögernd nickte ich. Vermutlich war es besser, nicht länger darüber nachzudenken. Außerdem schien die Sonne, Vögel zwitscherten, und meine Freunde spielten bereits Fußball. Wie üblich bezog ich die Position als Torwart.

Zwei Wochen später dann kniete ich mit wild klopfendem Herzen am Altar neben ihnen und weigerte mich, den Mund zu öffnen. [...]


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» ... und die Welt stand still ... «

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